Risse verpressen

Risse verpressen

Risse verpressen

Unter Krafteinwirkung können in Bau- beziehungsweise Gebäudeteilen Risse auftreten. Die Elastizität, Festigkeit oder Haftung der jeweiligen Baustoffe kann manche Spannung kompensieren. Übersteigt diese jedoch die Belastungsgrenzen der Baustoffe, zeigen sich die Risse. Diese weisen die unterschiedlichsten Formen oder Tiefen auf. Genauso sind die Ursachen verschieden. Mancher Riss stellt lediglich ein kosmetisches Problem dar, andere markieren einen ernstzunehmenden statischen Schaden. Bevor es an die Sanierung geht, sollte der Riss daher genauestens analysiert werden, um die erforderliche Risssanierungsmethode auswählen zu können.

 

Putzbedingte, untergrundbedingte und statisch bedingte Risse

Risse, deren Ursache in der Verputzung, liegt, sind meistens leicht zu erkennen. Sie zeigen sich in Sackform von etwa 20 Zentimeter Länge oder spinnennetzartig auf einer Wand, wo beispielsweise feuchter Putz abgerutscht ist. Hier genügt eine anstrichtechnische Risssanierung. Daneben gibt es häufig untergrundbedingte Risse, wie sie unter anderem durch die falsche Verlegung von Dämmplatten entstehen. Ihr Muster ist dementsprechend ebenso gut zu erkennen. Hier können die Risse einzeln saniert werden oder erfordern von Fall zu Fall eine Flächensanierung. Alle weiteren Risse, die direkt auf tragende Bauteile wie Mauerwerk oder Beton zurückgehen, brauchen dagegen eine sorgfältige Rissverpressung.

 

Die Rissverpressung oder Rissabdichtung

Tiefe baukonstruktive bedingte Risse gehen auf zwei Ursachen zurück. Hier ist es entweder zu Bauwerksbewegung oder einer Setzung im Erdreich gekommen. Im ersten Fall gab es konstruktive Lastverteilungen oder es fehlte ein Dehnungsbereich, so dass sich die Bewegungen des Bauwerks beziehungsweise Bauteils schließlich in Rissen entladen haben. Setzungen im Erdreich können auf natürliche Bodenbewegungen oder aber unsachgemäße Erdarbeiten zurückgehen. In diesen Fällen muss immer erst der Baugrund verfestigt und der Riss beruhigt werden, da eine Risssanierung durch Rissverpressung ansonsten keine dauerhafte Wirkung entwickeln kann. Anschließend erfordert die Verpressung eines Mauerwerks in der Regel vier Schritte:

 

1. Vorbereitung des Mauerwerks

Zunächst werden allen losen Mauerwerksteile am Riss beseitigt oder ein Putz entfernt. Anschließend kommen sogenannte Bohrpacker entlang des Rissverlaufs in das Mauerwerk. Alternativ können auch Klebepacker aufgeklebt werden.

 

2. Riss verdämmen

Danach wird der Riss mit einigen Zentimetern Überstand verdämmt. Bei Klebepackern ist dieser Schritt obligatorisch, bei Bohrpackern kein Muss. Er verbessert und vereinfacht hier aber später die Füllung des Risses.

 

3. Mörtel einbringen

Nun brauchen Sie ein Injektionsgerät für Mörtel. Damit injizieren Sie die Rissfüllung in die Packer von unten nach oben. Wegen des Injektionsverfahrens wird die Rissverpressung oft auch als Rissinjektion bezeichnet. Beachten Sie dabei immer die Herstellerangaben zur Füllmenge und Fülldruck oder stoppen Sie die Füllung jedes Packers spätestens, wenn aus dem Packer darüber Mörtel austritt. Der Injektionsdruck wird dabei jeweils auch der Stabilität des Mauerwerks angepasst.

 

4. Verdämmung entfernen

Ist der Füllmörtel getrocknet und ausgehärtet, wird die Verdämmung abgestemmt und die Packer werden entfernt. Bei Bohrpackern füllen Sie zum Schluss noch die Bohrlöcher auf und reinigen zuletzt das Mauerwerk.

Neben dem Mörtel kommt auch flüssiges Reaktionsharz für eine Rissverpressung oder -abdichtung infrage. Als Faustregel gilt: Für sehr feine Risse nutzen Sie eher Mehrkomponentenharz und bei breiteren Rissen eher mineralisches Füllmaterial wie den Mörtel.

Bei Rissen in einer Betonwand erreicht diese Rissverpressung zumeist eine sehr gute Lastabtragung. Beton und der Injektionsmörtel bekommen einen guten Haftverbund mit großer Haftfläche und die statischen Lasten werden dadurch optimal kompensiert. Bei einer gemauerten Wand müssen unter Umständen weitere Mittel wie Anker genutzt werden, um die Lastaufnahme vollständig zu sichern.